Während meiner Umschulung zur Industriekauffrau gelernt:
Materielle Bedürfnisse - z.B. Kleidung, Nahrungsmittel, Auto, Handy etc.
Immaterielle Bedürfnisse - z.B. Liebe, Freundschaften, Anerkennung
Latente Bedürfnisse – Werden durch Werbung, Verlockungen oder Beeinflussung geweckt
Warum ich das nun aufgeschrieben habe? Nun weil es etwas gibt, was mich doch ziemlich nervt.
Wann immer in einer Zeitung oder auf irgendeinem Blog was geschrieben wird über Hartz IV, Geld das ins Ausland gehen soll, Kinderarmut in Deutschland oder sonst ein Thema wo es um die wirtschaftliche Situation in Deutschland geht liest man zumeist mindestens 1x den Satz: “Jammern auf hohem Niveau” und ganz ehrlich? Das ist voll der dumpfug!
Warum?
Ja, es gibt eine menge Länder in denen es viel schlimmere Armut gibt und man kann es auch nicht mit Deutschland vergleichen. DAS streite ich nun wirklich nicht ab!
Aber kann man das überhaupt vergleichen? Nur weil man in diesem Land Revolten, Hungerbäuche und bügerkriegsähnliche Zustände vermeidet in denen man den Menschen grade genug Geld gibt, damit sie die Klappe halten und man zu ihnen sagen kann wenn sie mal “aufmucken”, dass es ihnen im Vergleich zu Menschen in anderen Ländern doch gut gehe?
Kann man das überhaupt vergleichen?
Hier in Deutschland ist man fast ununterbrochen den latenten Bedürfnisfaktoren ausgeliefert, egal was man auch tut. Demzufolge werden auch Bedürfnisse geweckt, die für einen Äthopier oder Afrikaner vermutlich absolut nicht nachvollziehbar wären. Deshalb wäre es für ihn vermutlich auch schwer verständlich wenn ein Hartz IV Empfänger in Deutschland sagen würde er sein arm und leide darunter.
Aber was immer wieder auch gerne vergessen wird: Armut ist ein Zustand der “Gefühlt” wird und somit individuell ist!
Wie sehr man Armut empfindet hängt stark von den latenten Bedürfnisfaktoren und der Umwelt ab und wie sehr man davon beeinflussbar ist (was man übrigens NICHT steuern kann). Wenn ich z.B. einsam auf einer Insel leben würde, dann wäre es mir wurscht ob meine Hose ein Loch hat und ich keine neue haben könnte.
Es kommt dann ja auch noch der gesellschaftliche Druck dazu! Man bekommt schräge Blicke zugeworfen wenn man z.B. zu einem Vorstellungsgespräch gehen würde mit einem riesigen Loch in der Hose oder einer unübersehbaren Zahnlücke! Hier in diesem “Luxus-Land” wird eine gewisse Kleiderordnung und eine Gepflegtheit der Person erwartet – kommst du dem nicht nach wirst du gesellschaftlich ausgegrenzt und gilst als Asozial.
Wenn ich nun also sage, ich brauche neue Klamotten und jammer weil ich mir keine kaufen kann, jammer ich dann “auf hohem Niveau”? Wenn ein Schulkind sagt es bräuchte ne neue Schultasche weil die alte sich in Einzelteile auflöst und die Eltern können es sich aber nicht leisten – jammert dann diese Familie auf hohem Niveau? Oder versucht doch mal einem 5 jährigem Kind zu erklären warum es “nur” dieses wässrige Fruchteis am Stil für 0,30 € bekommt, anstatt eine herrlich sahnige Schokoeiskugel beim Eisladen. Selbst in dem Alter sind Kinder schon dieser Reizüberflutung und den daraus entstehenden Bedürfnissen gnadenlos unterlegen und wenn man dem Kind erklären würde, dass es froh sein soll überhaupt ein Eis zu haben und Kinder in Arfrika wären froh wenn sie überhaupt eins hätten, dann wirds für mich wirklich lächerlich! Denn a) dürfte es das Kind in dem Moment reichlich wenig interessieren was ein Kind in Arfika hat oder nicht und b) weiß ein Kind in Afrika vermutlich noch nicht einmal was ein Eis überhaupt ist!
Was ich damit sagen will ist einfach nur, dass man erst einmal sich überlegen sollte in welchem Land und mit welchem gesellschaftlichen Erwartungen, mit welchen latenten Bedürfnisfaktoren wir hier leben anstatt Vergleiche mit Ländern zu machen, wo diese Faktoren ganz anders strukturiert sind :kaffee:

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Das Problem ist, dadurch dass ja immer groß getönt wird “Die leben ja auf unseren Kosten”, meinen einige Arbeitnehmer, sich dadurch in der großmütigen Geberposition zu befinden.
Dadurch meinen aber auch diese Leute, bestimmen zu können, unter welchen Voraussetzungen das passiert. “Du lebst ja von MEINEN Steuergeldern” “Du lebst ja von dem Geld was ich schwer erarbeite”. Das hat dann nen bisschen was von einer modernen Sklavenkultur.
Da aber nicht jeder Mensch mit dem Gefühl umgehen kann, jemandem überlegen zu sein (in diesem Fall finanziell), entstehen so groteske Diskussionen.
Ich habe mir damals auch so einiges anhören dürfen, als ich arbeitsunfähig war. Da ist man in einer Notlage, muss dann betteln gehen und sich noch dafür rechtfertigen um gesagt zu bekommen “du bekommst ja auch genug fürs nichtstun”.
Aber so ist unsere Gesellschaft.
So richtig “witzig” wird es ja, wenn sich jemand den Spruch anhören muss, der vorher schon 20 Jahre Vollzeit gearbeitet hat. :zzzbloedi:
Aber ich geb dir Recht, es ist so, das niemandem interessiert was du “VOR” der Notlage gemacht hast, sondern nur was du grade machst. :hmpf: